Unternehmensprozesse

Wie werden Unternehmensprozesse zu Standards und dann zu einem eigenen Unternehmenssystem?

Unternehmensprozesse richtig gestalten. In sieben Schritten vom Ist-Ablauf zum eigenen Unternehmenssystem, das nicht an eine oder mehrere Schlüsselpersonen gebunden ist.

Lesezeit: ca. 10 Min.

Von: Aljoscha von Nagorski

Stand: 06. Juli 2026

Auf den Punkt gebracht:

Zusammenfassung:

Unternehmensprozesse standardisieren bedeutet, aus einem Ablauf, der nur im Kopf des Inhabers, der Inhaberin oder einzelner Angestellter steckt, eine dokumentierte Routine zu machen, die andere zuverlässig ausführen und bei Problemen selbst korrigieren können. Das gelingt in sieben Schritten: die wichtigsten Unternehmensprozesse auswählen, Ist-Zustand aufnehmen, dokumentieren, Engpässe analysieren, Standards definieren und setzen, Entscheidungsregeln festlegen, einführen, in der Praxis testen und bei Bedarf immer wieder optimieren.

Wenn das Wissen über bestimmte Aufgaben, Abläufe, Unternehmensprozesse und Sonderregeln nur bei einigen wenigen Personen liegt, etwa bei Eigentümern, Facharbeitern oder Leitungskräften, hat ein Unternehmen eine ernsthafte Herausforderung. Ist dieses Wissen für die übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht abrufbar, funktioniert der tägliche Betrieb oft nicht zuverlässig. Die Qualität leidet, Kunden und Personal werden unzufriedener und am Ende ist die Bilanz nicht zufriedenstellend.

Was wirklich langfristig und nachhaltig erfolgsversprechend ist, ist ein Unternehmenssystem bzw. eine Art internes Betriebssystem des Unternehmens. Es besteht aus dokumentierten und optimierten Prozessen, klaren und vereinbarten Standards und verbindlichen Entscheidungsregeln für das Personal. So arbeiten längst nicht mehr nur Großkonzerne. Auch immer mehr erfolgreiche kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) haben die sehr positiven Auswirkungen von optimalen Unternehmensprozessen erkannt.

Allein bis 2030 stehen nach Schätzung des IfM Bonn rund 186.000 Unternehmen in Deutschland zur Übergabe an interne Nachfolger oder externe Käufer an. Wie attraktiv ein Betrieb für einen Nachfolger oder Käufer ist, hängt vor allem daran, ob das Unternehmen ohne den Eigentümer, die Eigentümer oder bestimmte Schlüsselpersonen überhaupt nachhaltig und erfolgreich funktioniert. Dies klärt der nachfolgende Artikel.

1. Warum hängen Unternehmensprozesse und Abläufe so oft an einzelnen Personen?

Weil das Wissen über Unternehmensprozesse, Abläufe und Sonderregeln im Kopf einzelner Schlüsselpersonen steckt, statt dokumentiert für das Gesamtunternehmen vorzuliegen. Genau diese operative Abhängigkeit von einzelnen Personen ist einer der häufigsten Gründe, warum Übergaben und Verkäufe von Unternehmen scheitern.

Und dieses Scheitern hat einen messbaren Preis. 45,1 Prozent der Selbstständigen mit Beschäftigten arbeiteten 2024 gewöhnlich mehr als 48 Stunden pro Woche, bei vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern waren es nur 4,3 Prozent (Statistisches Bundesamt). Wer so viel arbeitet, hält in der Regel Abläufe zusammen, die ohne diese Schlüsselperson auseinanderfielen. Ein Unternehmen, das ohne seinen Inhaber oder seine Inhaberin nicht von allein funktioniert ist im Resultat weniger wert und lässt sich fast gar nicht an Nachfolger oder Käufer übergeben. Deshalb ist das Thema Unternehmensprozesse von so wichtiger Bedeutung insbesondere für Eigentümer eines Unternehmens.

„Unternehmens- und Prozesswissen, das nur in einem Kopf steckt, ist kein Unternehmenswert, sondern ein echtes Risiko für die Nachfolger oder Käufer einer Unternehmung.“

Aljoscha von Nagorski

Der folgende Sieben-Schritte-Ablauf zeigt, wie sich das konkret ändern lässt. Zunächst vier Begriffe in einfacher Sprache, die in diesem Artikel eine Rolle spielen.

ElegantFlows Unternehmensprozesse Begriffe

2. Sieben Schritte vom Unternehmensprozess zum Unternehmenssystem

Wie wird aus einem Unternehmensprozess ein Unternehmenssystem? Indem zuerst die wichtigsten Unternehmensprozesse bzw. Abläufe bestimmt werden und diese dann in sieben Schritten bearbeitet werden: auswählen, aufnehmen, dokumentieren, Engpässe finden, Standards setzen, Entscheidungen verteilen, einführen und nachschärfen.

Schritt 1: Den richtigen Unternehmensprozess auswählen

Fangen Sie nicht mit allem gleichzeitig an, sondern mit dem Unternehmensprozess, der für das Geschäftsmodell am wichtigsten ist, oder die meisten Probleme verursacht oder am häufigsten bei einer bestimmten Schlüsselperson landet, die als einzige Person den Unternehmensprozess erfolgreich durchführen kann. Wichtig ist, die Schlüsselprozesse zuerst anzugehen und dann schrittweise die anderen Unternehmensprozesse zu verbessern und zu generalisieren. Auf gar keinen Fall sollten alle Unternehmensprozesse auf einmal und parallel bearbeitet werden.

Wählen Sie stattdessen einen einzigen Prozess, der drei Kriterien erfüllt. Er wiederholt sich regelmäßig und ist wichtig für den täglichen Betrieb. Er verursacht oft Schwierigkeiten oder ist für die Kundenzufriedenheit besonders relevant. Und er landet bei einer Problemlösung häufig bei Schlüsselpersonen wie Inhaber, Inhaberin oder eine andere Schlüsselperson.

Bei der DSK Die Schulköche GmbH war das am Anfang die Planung für die täglich frische Zubereitung der Bio-Mittagessen und der Ablauf von der Bestellung bis zur Abrechnung. Täglich, fehleranfällig und oft mit Rückfragen an die Geschäftsleitung. Genau dort kosten Fehler richtig Geld. Eine falsch erfasste Portionszahl bedeutet entweder Lebensmittel, die wir umsonst eingekauft haben, oder Kinder, die in der Schule nichts auf dem Teller haben.

Schritt 2: Den Ist-Zustand des Unternehmensprozesses ehrlich aufnehmen

Beschreiben Sie den Prozess so, wie er wirklich läuft, nicht so, wie er laufen sollte. Im Kopf haben wir alle eine Vorstellung vom perfekten Ablauf. Die Realität sieht oft anders aus. Mit Abkürzungen, Sonderfällen, Inselwissen und stillen Absprachen, die nirgendwo stehen.

Gehen Sie den Unternehmensprozess deshalb mit allen Beteiligten Schritt für Schritt durch. Es wird nur notiert, was tatsächlich passiert. Wer macht was, womit, in welcher Reihenfolge und in welcher Zeit. Und was löst den nächsten Schritt aus. Dieser ehrliche Blick auf den Ist-Zustand eines Unternehmensprozesses ist die Grundlage für alle nachfolgenden Schritte.

Schritt 3: Den Prozess einfach dokumentieren

Schreiben Sie den Prozess in einfacher Form auf, mit Auslöser, Schritten und Ergebnis. Es braucht keine teure Software und keine komplizierten Diagramme. Eine nummerierte Liste oder eine einfache Tabelle reicht: Was startet den Prozess, welche Schritte folgen in welcher Reihenfolge, wer ist zuständig, wie sieht das fertige Ergebnis aus.

Bei DIE SCHULKÖCHE haben wir genau das getan. Vom Eingang der Bestellung über Einkauf, Zubereitung, Auslieferung und Ausgabe bis zur Abrechnung. Das einzige Kriterium, das wirklich zählt, ist, ob alle Ausführenden den dokumentierten Prozess verstehen und ihn selbst umsetzen können. Immer wieder, in der vorgegebenen Qualität und Zeit und im vorgegebenen Kostenrahmen.

Schritt 4: Engpässe und Bruchstellen beim Unternehmensprozess finden

Mit dem dokumentierten Ablauf kann analysiert werden, wo es nicht reibungslos funktioniert. Die meisten Unternehmen haben drei oder vier immer gleiche Bruchstellen. Und meistens ist es nicht das, was vermutet wird. Drei Schwachstellentypen tauchen in der Praxis fast immer auf.

ElegantFlows Unternehmensprozesse Engpaesse

Diese Bruchstellen sind selten zahlreich, aber meist immer dieselben. Oft zeigt sich hier zum ersten Mal schriftlich, warum der Betrieb ohne eine bestimmte Person stockt. Das ist der Moment, in dem der Inhaber oder die Inhaberinnen meist überrascht sind. Nicht von der Zahl der Problemstellen, sondern davon, dass diese sich jahrelang wiederholt haben.

Eine reine Zahlenauswertung findet diese Bruchstellen übrigens selten. Es kann am Monatsende vielleicht erkannt werden, dass etwas zu lange dauert, aber nicht warum. Der eigentliche Grund wird oft gefunden, wenn ein Unternehmensprozesse eine Weile direkt beobachtet wird, dort wo er passiert, in der Werkstatt, an der Theke, in der Küche. Wer eine Stunde danebensteht und zuschaut, sieht die kleinen Umwege, die niemand mehr erwähnt, weil sie längst zur Gewohnheit geworden sind.

Schritt 5: Standards für die Unternehmensprozesse definieren

Ein Standard legt messbar fest, wann das Resultat oder Ergebnis eines Unternehmensprozesses in Ordnung ist. Erst dann kann eine andere Person die Aufgabe übernehmen, ohne die Schlüsselperson zu fragen. Solange nur die Schlüsselperson weiß, was „gut genug“ bedeutet, bleibt diese immer die letzte Instanz.

Bei der DSK Die Schulköche GmbH werden die Unternehmensprozesse an drei Maßstäben ausgerichtet: Qualität der Bio-Mittagessen, Wirtschaftlichkeit und Kundenorientierung. Beispielsweise beim ersten Maßstab heißt „gut genug“ nicht „schmeckt“, sondern eine feste Bio-Quote der eingesetzten Lebensmittel, die Einhaltung der eigenen Rezepturen und Zubereitungsanweisungen und ein Speiseplan, der abwechslungsreich ist, den Qualitätskriterien für Schulverpflegung entspricht und bei den Kindern besonders gut ankommt.

Ein guter Standard beantwortet diese Frage: Woran erkennt jemand ohne den Inhaber oder die Inhaberin, ob das Ergebnis stimmt? Damit dieser nicht nur auf dem Papier steht, braucht er eine Zahl, die jeder Mitarbeitende ablesen kann. Zwei davon reichen für den Anfang fast immer. Die Durchlaufzeit, also wie lange ein Ablauf vom Start bis zum Ergebnis braucht. Und die Liefertreue, also wie oft ein zugesagter Termin wirklich gehalten wird. Wer diese beiden Werte regelmäßig notiert, merkt sofort, wenn ein Unternehmensprozess kippt. Und es muss nicht gewartet werden, bis sich die Kundschaft beschwert.

Schritt 6: Entscheidungsregeln und Rollen des Unternehmensprozesses festlegen

Es sollte schriftlich festgehalten werden, wer was bis zu welcher Grenze entscheiden darf. Unternehmensprozesse und Unternehmensstandards beschreiben das Wie. Eine Aufgaben- und Entscheidungsmatrix klärt das Was und ist eine schlichte Übersicht die festhält, wer worüber bestimmt und ab welcher Grenze Rücksprache nötig ist.

Bei DIE SCHULKÖCHE haben wir die Kundenbeziehungen, die anfangs nur über die Geschäftsleitung liefen, auf feste Rollen verteilt. Durch ein eigenes Schulmanagement und einen erfahrenen Kundenservice. Eine Reklamation, die früher zwingend über einen der beiden Inhaber lief, klärt das Schulmanagement heute bis zur Gutschrift selbst. Die Geschäftsleitung erfährt immer nur bei ernsten Fällen davon, entscheidet aber nicht mehr. Das entscheidende Prinzip lautet daher, nach dem Abgeben nicht heimlich wieder eingreifen. Dieses Hineinregieren ist der häufigste Grund, warum Übertragungen von Verantwortung in Unternehmen scheitern.

ElegantFlows Unternehmensprozesse Entscheidungen

Wer eine solche Tabelle aufbaut und konsequent lebt, hat das härteste Stück geschafft. Nicht die Dokumentation ist schwer. Das Loslassen der Eigentümer bzw. Eigentümerin danach ist es.

Schritt 7: Den Unternehmensprozess einführen, testen, nachschärfen

Ein Unternehmenssystem entsteht nicht am Schreibtisch, sondern im Alltag. Kein Unternehmensprozess ist beim ersten Versuch perfekt. Der Unternehmensprozess muss im echten Betrieb laufen. Stellen Sie folgende Fragen: wo hakt es noch, was ist unklar, welche Sonderfälle fehlen? Unternehmensprozesse, Standards und die Entscheidungsmatrix müssen dann regelmäßig nachgeschärft werden.

Hilfreich ist ein fester Rhythmus statt eines vagen „später nochmal draufschauen“. Bewährt hat sich, einen neuen Unternehmensprozesse nach zwei Wochen und nach drei Monaten kurz zu prüfen, jeweils 30 Minuten mit allen Beteiligten. In der ersten Runde fallen meist die fehlenden Sonderfälle auf, in der zweiten zeigt sich, ob die Entscheidungsregeln im Alltag wirklich getragen haben. Es sollte immer nur eine Sache pro Runde am Unternehmensprozess geändert werden, denn wer an zehn Stellen gleichzeitig nachbessert, weiß hinterher nicht, was wirklich geholfen hat.

Rechnen Sie zu Beginn auch mit Widerstand in der Belegschaft. Das ist normal. Wer einen Unternehmensprozess jahrelang auf seine Art gemacht hat, erlebt eine neue Vorgabe oft als Misstrauen. Manche sagen das offen, viele machen einfach still weiter wie bisher. Deshalb ist es wirksamer, die Betroffenen früh einzubinden, statt ihnen den fertigen Unternehmensprozess vorzusetzen. Wer beim Aufschreiben mitreden durfte, trägt den Unternehmensprozess und die dazugehörigen Standards und Entscheidungsregeln hinterher eher mit. Und auch das Warum sollte den Betroffenen erklärt werden. Ein Mitarbeitender, der versteht, dass die Standards und Unternehmensprozesse den Betrieb verlässlicher machen und nicht den Angestellten kontrollieren soll, hält diesen auch dann ein, wenn der Inhaber oder die Inhaberin nicht im Raum ist.

3. Wie sieht das in einem anderen Gewerbe aus?

Ein Sanitär- und Heizungsbetrieb in Brandenburg mit 22 Mitarbeitern senkte die Zeit bis zum Angebot von ein bis zwei Tagen auf denselben Tag, indem er einen einzigen Unternehmensprozess umstellte.

Beispiel aus der Praxis, erfunden, aber realistisch. Der Betrieb hatte ein wiederkehrendes Problem. Jeder Kostenvoranschlag über 1.000 Euro lief über den Inhaber. Im Schnitt waren das 15 Angebote pro Woche, jedes mit ein bis zwei Tagen Verzögerung, weil diese Schlüsselperson oft auf Baustellen war. Kunden sprangen ab, bevor das Angebot überhaupt kam.

Der Betrieb ging die ersten sechs Schritte für genau diesen einen Unternehmensprozess durch. Er dokumentierte den Angebotsprozess, legte eine Kalkulationsvorlage als Standard fest und führte eine Entscheidungsregel ein, nach der die beiden Meister Angebote bis 5.000 Euro selbst freigeben. Das Ergebnis nach drei Monaten:

ElegantFlows Unternehmensprozesse Kennzahlen Beispiele

Verändert wurde dafür ein einziger Prozess. Nicht die ganze Firma, keine neue Software, kein Beraterprojekt über ein halbes Jahr. Genau das ist der Punkt. Der Hebel sitzt in dem einen Ablauf, der am häufigsten beim Chef landet.

4. Warum zahlt sich die Standardisierung von Unternehmensprozessen am Ende aus?

Weil ein Betrieb, der nicht von einer einzelnen Person abhängt, mehr wert ist und sich leichter übergeben lässt. In einem Markt mit deutlich mehr Verkäufern als Käufern ist genau das der entscheidende Vorteil.

Aus losen Aufgaben wird kein verlässlicher Betrieb, indem man mehr delegiert, sondern indem Unternehmensprozesse sichtbar gemacht werden, Standards gesetzt und Entscheidungen klar verteilt werden. Wie selten das passiert, zeigt der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2025: 70 Prozent der beratenen Senior-Unternehmer haben keinen „Notfallkoffer“ mit den wichtigsten Dokumenten und Vollmachten griffbereit. Im selben Report stehen rund 9.600 übergabewilligen Unternehmern nur etwa 4.000 Übernahmeinteressierte gegenüber. Diese Lücke hat sich seit 2019 nahezu verdoppelt.

Die beschriebenen sieben Schritte sind kein Großprojekt. Sie funktionieren an einem einzigen Unternehmensprozess, der heute von jedem Inhaber oder jeder Inhaberin ausgewählt werden kann. Wer einen Unternehmensprozess nach dem anderen so bearbeitet, baut über Monate ein Unternehmen, das ohne den Inhaber, die Inhaberin oder eine bestimmte Schlüsselperson läuft und sich eines Tages übergeben oder verkaufen lässt. Das ist die eigentliche Rendite dieser Arbeit.

Bei der DSK Die Schulköche GmbH war das kein Projekt mit Enddatum, sondern eine Gewohnheit über mehrere Monate und Jahre. Welchen Ablauf in Ihrem Betrieb würden Sie als erstes angehen? Die Antwort darauf ist Ihr nächster konkreter Schritt.

5. Häufige Fragen zur Standardisierung von Prozessen

Was ist der Unterschied zwischen einem Unternehmensprozess und einem Unternehmenssystem?

Ein Unternehmensprozess ist die feste Abfolge von Aufgaben mit einem klaren Ergebnis, etwa von der Bestellung bis zur Rechnung. Ein Unternehmenssystem ist mehr. Es verbindet mehrere Prozesse mit Standards, Rollen und Entscheidungsregeln, sodass der Betrieb ohne tägliches Eingreifen des Inhabers, der Inhaberin oder einer bestimmten Schlüsselperson funktioniert.

Brauche ich für die Dokumentation eine spezielle Software?

Nein. Für den Anfang reichen eine nummerierte Liste oder eine einfache Tabelle. Wichtig ist nicht das Werkzeug, sondern dass jemand anderes den Ablauf lesen und danach handeln kann. Software lohnt sich erst, wenn viele Prozesse zusammenkommen.

Womit fange ich an, wenn vieles gleichzeitig hakt?

Mit genau einem Unternehmensprozess, der sich oft wiederholt, Reibung verursacht und häufig bei einer einzigen Schlüsselperson landet. Dort ist die Wirkung am größten. Alles gleichzeitig zu ordnen, überfordert und führt erfahrungsgemäß zu nichts.

Wie verhindere ich, dass nach dem Abgeben alles wieder bei mir landet?

Durch klare Standards und eine schriftliche Entscheidungsmatrix, die festhält, wer bis zu welcher Grenze entscheidet. Und durch die Disziplin, nach dem Abgeben nicht heimlich wieder einzugreifen. Genau dieses Hineinregieren macht jede Übergabe zunichte.

Wie lange dauert es, bis ein System trägt?

Eher Monate als Wochen, je nach Größe und Zahl der Unternehmensprozesse. Wichtiger als Tempo ist Beständigkeit. Einen Ablauf nach dem anderen aufschreiben, Standards setzen, Entscheidungen abgeben und im Alltag nachschärfen.

Was tun, wenn Mitarbeitende beim neuen Unternehmensprozess nicht mitziehen?

Widerstand am Anfang ist normal, weil eine neue Vorgabe oft als Misstrauen oder als Verlust an Eigenständigkeit ankommt. Am besten binden Sie die Beteiligten schon beim Aufschreiben der Unternehmensprozesse mit ein und erklären, warum der Standard den Betrieb verlässlicher macht. Wer mitgestalten durfte und den Sinn versteht, trägt den Ablauf eher mit, auch ohne Kontrolle.

Über den Autor

Aljoscha von Nagorski

Der Unternehmer Aljoscha von Nagorski berät kleine und mittlere Unternehmen im deutschsprachigen Raum dabei, operativ unabhängig vom Inhaber oder der Inhaberin zu werden. Aljoscha von Nagorski bringt über 15 Jahre Erfahrung in Kundenbindung, CRM und Loyalty Management aus Führungsrollen bei Hertz, Thalia (Douglas) und Watchever (Vivendi) mit. Seit über zwölf Jahren führt der Diplom-Kaufmann die DSK Die Schulköche GmbH in Berlin, einen Betrieb, der heute weitgehend ohne die beiden Inhaber läuft. Mit ElegantFlows gibt er diese Erfahrung an andere Unternehmerinnen und Unternehmer weiter. Besuchen Sie Aljoscha von Nagorski bei Linkedin.

Mehr Einblicke erhalten

Unternehmensnachfolge vorbereiten: So machen Sie Ihren Betrieb verkaufsfähig: Empfehlungen aus der Praxis, um Ihr Unternehmen für interne Nachfolger oder externe Käufer attraktiv zu machen. Jetzt Artikel lesen >

Nach oben scrollen
Consent Management Platform von Real Cookie Banner